Vorgehensweise

Das Projekt untergliedert sich in 6 Arbeitspakete. Zunächst erfolgt eine Analyse der Interessen der Teilnehmerinnen. Darauf aufbauend wird das genderdidaktisch-psychologische Konzept der Zielgruppen angepasst und die MINTcoach-basierten Interventionen entwickelt. Parallel wird die technische Plattform implementiert und die Studie vorbereitet. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind beginnt nach den Sommerferien 2018 die Durchführung der Studie. Dabei werden über 1,5 Jahre hinweg Schülerinnen der Klassen 6 und 7 aus unterschiedlichen Bundesländern und Schultypen begleitet. Die Teilnehmenden bekommen regelmäßig Informationen zum Thema MINT, kleine Aufgaben und Herausforderungen und auch individuelle Unterstützung. Gleichzeitig wird auch das Umfeld betrachtet (andere Mitschülerinnen und Mitschüler, Eltern, Lehrende). Gestützt werden diese individuellen Interventionen durch Ansätze wie Gamification, kooperatives Arbeiten, Workshops in Schulen und an der Hochschule sowie Exkursionen. Begleitende Befragungen werden sicherstellen, dass der Erfolg der Interventionen bemessen und bewertet werden kann.

Technische Basis

Die Technische Basis für die MINTcoach Plattform bildet die Software "MobileCoach", die vom Center for Digital Health Interventions (C4DHI), einem gemeinsamen Institut der Universität St. Gallen und der ETH Zürich, entwickelt wird.

Darauf aufbauend werden eine Smartphone-App und eine Webanwendung entwickelt, die die Interventionen für die Schülerinnen bereitstellen. Die Kommunikation erfolgt durch einen Chat in dem die Schülerinnen direkt mit einem Avatar im Dialog stehen, der sie durch die Storyline führt. Dazu werden regelbasiert Texte, Videos, Fragen, Rätsel und Knobelspiele bereitgestellt, Informationen zu interessanten Themen verschickt, zum Nachdenken animiert, etc. Durch die individuelle Anpassung der chatbasierten Kommunikation soll einem Interessensverlust entgegengewirkt und auf die persönlichen Interessen der Schülerinnen reagiert werden.

Der Vorteil der Plattform MobileCoach liegt für das angestrebte Projektvorhaben neben einer Open-Source-Lizenzierung vor allem in dem regelbasierten Ansatz der Plattform. Basierend auf den Grundsätzen der Automatentheorie (Hopcroft et al., 2013) werden beim MobileCoach die Teilnehmenden individuell auf Basis des über sie erfassten Wissensstandes in Kombination mit modelliertem psychologischem Fachwissen bei ihren Verhaltensänderungen begleitet. Die Intervention findet hierbei als Dialog zwischen den Teilnehmenden und den Betreuenden statt, was den individuellen Aspekt und damit auch die Akzeptanz der Teilnehmenden positiv beeinflusst. Dieser Ansatz wurde bereits im Gesundheitskontext validiert (Haug et al.-1, 2014; Haug et al.-2, 2014).

Technisch basiert die MobileCoach-Plattform auf einer Web-Anwendung, welche auf einem Tomcat Web-Container und einer Java Laufzeitumgebung betrieben wird. Während die aktuelle MobileCoach-Plattform ihre Interventionen noch ausschließlich auf Basis von SMS nach einer webbasierten Eingangsbefragung mit Feedback durchführt, soll die Entwicklung im Rahmen des geplanten Projektvorhabens auf einer Smartphone-App aufsetzen. Nach derzeitigem Stand der Technik ist eine App aufgrund der größeren Interaktionsfähigkeit einer Website vorzuziehen. Für Teilnehmende, die privat zu keinem Smartphone Zugang haben, stehen in allen kooperierenden Schulen Endgeräte zur Verfügung.

Flankierende Maßnahmen

Begleitet werden die mediengestützten Interventionen durch Workshops und Exkursionen. Diese richten sich neben den Schülerinnen auch an ihr gesamtes Umfeld: Sowohl die Schülerinnen selbst als auch ihre Mitschüler, Lehrerinnen, Lehrer und Eltern erhalten in unterschiedlichen Zusammensetzungen in insgesamt 6 Worhshops und Info-Abenden sowohl Informationen über die MINT-Inhalte der Interventionen als auch über Methodik und Fortschritt des Projekts. Hinzu kommen zwei Exkursionen. Die Flankierenden Maßnahmen sind über die gesamte Dauer des Interventionszeitraums verteilt, um ebenfalls ständig das Interesse zu fördern.